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Da gab es etwa Ligetis Orgelwerk „Volumina“ von 1961/62, das der Komponist und Organist Wolfgang Mitterer in einer phanstasievollen und virtuosen Interpretation zum Besten gab. Mit einem Cluster im vollen Werk hebt das Stück an: mit einem kreischenden Tonhaufen, zu dessen Erzeugung der Organist alle Register zieht und mit den Unterarmen und den quer gestellten Füssen so viele Tasten als möglich drückt. Und wimmernd klingt es aus, denn zu Ende ist es erst, wenn der Orgelmotor abgestellt ist und das System der Bälge seinen letzten Seufzer getan hat. Dazwischen fegt der Organist wie ein wildes Tier über die Manuale – auch über das fünfte, das die Fernorgel in der Saaldecke bedient.
Neue Zürcher Zeitung |
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Einerseits ein Eremit, dieser Mann - man trifft ihn halt selten. Andererseits aber wird Wolfgang Mitterer an ganz verschiedenen Orten gesichtet. Er schreibt für Klassikfestivals eine Waldmusik für drei Holzarbeiter. Anderntags vernimmt man von ihm in Jazzclubs clusterverliebte Keyboardarbeit unter Einsatz unüblich quiekender und greinender Klangerzeuger. Schreibt Stücke wie Fisis, bei dem drei Dirigenten herumfuchteln müssen, beschert dem Publikum jedoch auch einen Sonntagvormittag der Orgelaffekte, bei dem er nicht nur barocke Erhabenheit von Bach und Frescobaldi evoziert. Mitterer? Ein Vertreter jener seltenen Spezies der flexiblen Musikköpfe und ein Bewohner höchst unterschiedlicher Klangplaneten:
Der Standard, Wien |
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Johann Sebastian Bach und Wolfgang Mitterer - ein ungleiches Paar, möchte man meinen. Was den berühmten Barockmeister mit dem Zeitgenossen verbindet, ist aber nicht nur die Vorliebe für Tasten und die Tripelfunktion als Komponist, Interpret und Improvisator, sondern auch der Mut, Neues zu wagen (...) „Vox acuta“. Da dröhnen die Pedalcluster, als würde eine gewaltige Flutwelle heranrauschen und nervös flackernde Melodien vor sich hertreiben (...)
Kölner Stadtanzeiger |
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Von einer Sternstunde ist nun aber zu berichten (...) Schon bei den Titelinserts heulte die Orgel förmlich los, und als in weiterer Folge elektronische Soundsamples Opernarien andeuteten und künstliche Tonschrammen das Wahrnehmungsgleichgewicht endgültig aushebelten, da wurde klar: Hier versenkt sich einer in seinen eigenen Schrecken, anstatt den Grusel auf der Leinwand zu untermalen. Mitterer tat dies in bester Kenntnis von Murnaus Film, einer disziplinierten Verinnerlichung des Materials, aus der heraus er umso freier improvisieren konnte (...) Das Publikum, in dem sich nicht wenige junge und eher an Hollywoods Horror geschulte Menschen befanden, war über- wältigt. Ein versierterer Wien Modern-Besucher befand: schädeldeckenhebend.
Der Standard, Wien |
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Filmmusik zu Murnaus Nosferatu. Eine Klangvision von bohrender, packender, in den Höhepunkten sogar erschreckender Intensität – und das umso mehr, als diese Musik sich nicht nach der Art von Filmmusik-Konfektion ans Bild anschmiegt und „Illustration“ bietet, sondern eigene, extreme Wege geht, in die geheimen Abgründe der Bilder taucht, ihre „Macht“ ausspielt und eine eigene Klangfarben-(Horror-)Welt erschafft. Grauen quillt da aus der Orgel. Faszinierend analysiert Mitterer in seiner Musik vor allem den Rhythmus des Films; er lässt sich auf die Rat- und Rastlosigkeit in den Gesichtern und diese ständig wechselnden Gefühle ein. Ein Riesenerfolg!
Kronen Zeitung, Wien |
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Es streitet neuerdings keiner mehr in Donaueschingen; vielmehr regiert der Unmutsausdruck viele Gesichter und verstärkt sich seltsamerweise, wenn wirklich einmal etwas Neues passiert (...). Selbst die wenigsten, die schon vertraut waren mit der Musik Wolfgang Mitterers, überraschte der Auftritt seiner Gruppe: Die Mitterer Group kommuniziert (...) auf eine Weise, die Staunen macht, je länger einer dabei bleibt (...). Ausgerechnet an seinem oft vernachlässigten Rand also erfindet sich Donaueschingen 2002 neu. (...) wer dann wieder in den Normalbetrieb zurückfindet, erkennt die Unterschiede zwischen dem relaxten Vorgehen Marke Mitterer und der vorherrschenden Angespanntheit von großen Teilen der Avantgarde.
Berliner Tagesspiegel |
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Outstanding in jeder Hinsicht war der nächste jähe Turn von "Zeitfluss", der ins Fortissimo führte: Wolfgang Mitterer gelang das Kunststück, die Wiener Elektronikszene mit Jazzmusikern zusammenzuspannen, um in RADIO FRAKTAL / BEAT MUSIC wohl durchgehörte elektronische Phonspitzen in peitschenden Rythmen durch das Festzelt zu jagen. (...)
Der Standard, Wien |
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Darmstadt: Klangexperiment "Ka und der Pavian". Das Klangerlebnis, das der Komponist seinem Publikum mit Hilfe des vorzüglichen Opernchores und verschiedener, im Raum verteilter Instrumentalisten bereitete, hätte ganzheitlicher und überwältigender nicht sein können. Die Live-Klänge nämlich verbanden sich ununterscheidbar mit einer 16-Kanal-Ton-Einspielung aus computergenerierten Tönen und Geräuschen, so dass in der Tat eine Landschaft aus Klang entstand, die jedem Zuhörer ein individuelles Hörerlebnis bescherte. Die bisweilen erschreckende Nähe zum jeweiligen musikalischen Geschehen jedoch war nie vorhersehbar und zu lokalisieren (...) Zeitgemäßer kann ein Kunstwerk kaum mehr sein.
Allgemeine Zeitung, Mainz |
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Während des Konzerts kam mir jene Karikatur in den Sinn, die anlässlich der Uraufführung von Gustav Mahlers Erster Sinfonie in einer Budapester Zeitung erschienen war und den Komponisten inmitten von Hupen, kreischenden Katzen und anderem Lärmgetier zeigt. Mitterer hat etwas von einem modernen Mahler an sich. Auch bei ihm stehen sich eine poetische Gegenwelt der "Naturlaute", der Herdenglocken, der Spieluhren und der mitternächtlichen Stimmen (...) und die Reflexe des realen Geräuschmülls, der uns täglich umgibt, gegenüber (...) Mitterers Musik hat Kraft, weil Programm und Spontaneität sich willentlich paaren (...)
Salzburger Nachrichten |
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